
Warum die
Holzfenster-Branche
mehr Marketing benötigt
Ein Interview mit Kai Pless, dem Geschäftsführer des Bundesverbands ProHolzfenster
Der Bundesverband ProHolzfenster setzt sich seit über 30 Jahren für die Interessen der Holzfensterbranche ein und spielt eine wichtige Rolle in der politischen und öffentlichen Wahrnehmung. Im Interview sprachen wir mit Geschäftsführer Kai Pless darüber, wie der Verband durch gezielte Lobbyarbeit und die Bereitstellung von Marketingmaterialien und Dienstleistungen seine Mitglieder unterstützt. Außerdem analysierten wir die Bedeutung von Marketing für die gesamte Branche.
Über Kai Pless
Kai Pless ist seit zwei Jahren für den Verband tätig und hat vor einem Jahr die Rolle des Geschäftsführers in Teilzeit übernommen.
Ursprünglich als Ökonom und Soziologe ausgebildet, kam er über Zufälle in die Fensterbranche und hat sie in den letzten zwei Jahren lieben gelernt: „Ich schätze die Branche und die Menschen sehr. Besonders die Begegnungen mit den Menschen in den Betrieben deutschlandweit haben mir gezeigt, wie spannend und menschlich diese Branche ist. Auch wenn ich anfangs skeptisch beäugt wurde, habe ich mich immer willkommen und gut aufgenommen gefühlt. Ich freue mich auf die kommenden Jahre und bin gespannt, was die Zukunft bringt.“
Er bringt insbesondere neue Verbindungen zur Politik und zur Wissenschaft mit ein und sorgt so für eine neue Ausrichtung des Bundesverbands ProHolzfenster.

Herr Pless, was macht der Bundesverband ProHolzfenster und wofür macht er sich in der Branche stark?
Unser Verband macht Lobbyarbeit für Holz- und Holz-Aluminium-Fenster, sowohl in Richtung Branche als auch in Richtung allgemeine Öffentlichkeit und speziell in Richtung Politik. Der Holzfensterbau trägt maßgeblich zum Klimaschutz, zur Baukultur und zum sozialen Zusammenhalt im ländlichen Raum bei. Darauf wollen wir aufmerksam machen.
Darüber hinaus unterstützen wir unsere Mitglieder mit Hilfestellungen, Materialien und Ressourcen, die einzelne Betriebe nicht selbst entwickeln können. Besonders in einer kleinstrukturierten Branche wie unserer ist diese Unterstützung essenziell. Dazu gehören Flyer, Broschüren und Dienstleistungen wie zum Beispiel zum Thema CO2-Bilanzierung, um die Betriebe in ihrer alltäglichen Geschäftstätigkeit zu unterstützen.
Warum muss speziell für das Holzfenster Lobbyarbeit betrieben werden?
Aufgrund der Struktur der Branche und der Betriebe fehlt es oft an einer gebündelten Interessenvertretung für den Werkstoff Holz im Fensterbau. Unser Verband wurde vor dreißig Jahren gegründet, um das Holzfenster am Markt sichtbar zu halten und seine Interessen zu vertreten, nachdem es im Wettbewerb mit anderen Rahmenmaterialien zunehmend unter Druck geraten ist.
Müssen Sie dabei immer noch gegen Klischees rund um das Holzfenster ankämpfen?
Ja, wir hören immer wieder, Holzfenster seien kostspielig und pflegeintensiv. Die Herstellung von Holzfenstern ist ein High- Tech-Handwerk. Qualität und Regionalität hat Ihren Preis. Der Pflegeaufwand hängt von vielen Faktoren ab, wie der Einbausituation und der Bewitterung. Man kann nicht pauschal sagen, dass Holzfenster pflegeintensiver sind. Wir versuchen, das Narrativ zu ändern und auf die Langlebigkeit und die Nachhaltigkeit von Holzfenstern hinzuweisen.
„Marketing kann zusätzliche Kanäle für Neukunden öffnen und die Sichtbarkeit der Branche erhöhen. Es gibt noch viel Potenzial für professionelles Marketing, insbesondere in Bezug auf Nachhaltigkeit und Energieeffizienz.“
Kai Pless
Ihr Fokus liegt auf Lobbyarbeit und nicht auf Endkundenmarketing. Warum ist das so?
Genau. Früher haben wir auch Inhalte für Endkunden verbreitet. Heute wollen wir unsere Ressourcen noch gezielter einsetzen, daher konzentrieren wir uns auf die Lobbyarbeit in Richtung Politik und bündeln hier unsere Stärken. Allerdings entwickeln wir auch Hilfsmittel für unsere Mitglieder, wie zum Beispiel den Anstrich-Check, der das Thema Beschichtung und Wartung behandelt. So unterstützen wir unsere Mitglieder dabei, fundierte Informationen an Endverbraucher weiterzugeben. Unser Ziel ist es, den Betrieben Hilfestellungen im Marketing zu bieten, die sie selbst nicht entwickeln können.
Wie wichtig ist Marketing für die Fensterbauunternehmen in Ihrer Branche?
Gutes Marketing kann der gesamten Branche helfen, einen höheren Stellenwert in der Gesellschaft und Politik einzunehmen. Viele Betriebe sind jedoch kleine Handwerksunternehmen, die bisher wenig in Marketing investiert haben. Dabei bietet das Produkt Holzfenster durch seine Nachhaltigkeit und Qualität hervorragende Marketingchancen. Wir sehen großes Potenzial in einem professionelleren Marketingansatz der Branche.
Glauben Sie, dass gute Marketingarbeit einzelner Fensterbauunternehmen der gesamten Branche helfen kann, einen höheren Stellenwert zu erlangen?
Absolut. Viele Betriebe sind kleine Handwerksunternehmen oder mittelständische Unternehmen, die von ihren Netzwerken und der Qualität ihrer Produkte leben. Marketing kann zusätzliche Kanäle für Neukunden öffnen und die Sichtbarkeit der Branche erhöhen. Es gibt noch viel Potenzial für professionelles Marketing, insbesondere in Bezug auf Nachhaltigkeit und Energieeffizienz. Wenn jedes Unternehmen ein wenig mehr Marketing betreiben würde, könnte die Branche insgesamt eine höhere Wahrnehmung erhalten. Letztlich profitieren alle, wenn das Produkt und seine Vorzüge insgesamt bekannter werden. Marketing ist ein Hebel, der in der Vergangenheit vielleicht nicht genug genutzt wurde.
Ich schätze die Branche und die Menschen sehr. Besonders die Begegnungen mit den Menschen in den Betrieben deutschlandweit haben mir gezeigt, wie spannend und menschlich diese Branche ist.
Kai Pless
Wie wichtig ist Marketing für Ihre Verbandsarbeit, insbesondere zur Gewinnung neuer Mitglieder?
Marketing, oder anders gesagt Öffentlichkeitsarbeit, ist für uns essenziell. Wir haben kürzlich unser Branding und unsere Webseite erneuert, um zu zeigen, dass sich bei uns etwas bewegt. Kommunikation, Text, Bildsprache – unsere Arbeit ist die Kommunikation nach innen und außen, daher ist die Präsentation entscheidend.
Warum sollte man Mitglied in Ihrem Verband werden und bleiben?
Wir sind die einzige unabhängige Lobby für Holz im Fensterbau und setzen uns für die Verbesserung der politischen Rahmenbedingungen für unsere Branche ein. Zudem unterstützen wir unsere Betriebe bei strategischen Themen wie der Ökobilanzierung. Nicht zuletzt profitieren unsere Mitglieder von einem starken Netzwerk zum Erfahrungsaustausch und zur Kooperation.
Wie kann man sich engagieren oder Mitglied werden, wenn man Interesse am Bundesverband ProHolzfenster hat?
Man kann uns über unsere Webseite oder soziale Medien wie LinkedIn und Instagram kontaktieren. Wir bieten viele Möglichkeiten zur Mitwirkung, sei es in unserem Beirat, Nachwuchskreis „Zukunftswerkstatt Holzfenster“ oder themenspezifischen Projektgruppen. Man muss nicht Mitglied sein, um an unseren Veranstaltungen teilzunehmen oder sich auszutauschen.
Was möchten Sie der Branche noch mit auf den Weg geben?
Die Bedeutung von Lobbyarbeit und Öffentlichkeitsarbeit ist immens, auch wenn die Ergebnisse nicht sofort sichtbar sind. Wir arbeiten daran, die Branche zu stärken freuen uns über den Zuspruch, den wir für unsere Arbeit erhalten. An die Branche möchte ich noch folgenden Appell richten: Offenheit und Zusammenarbeit sind der Schlüssel zum Erfolg.

Der Bundesverband ProHolzfenster setzt sich seit über 30 Jahren für die Förderung und Unterstützung der Holzfensterindustrie ein. Die Geschäftsstelle des Verbandes befi ndet sich in Berlin und wird derzeit von Kai Pless und einem Werkstudenten betrieben.
Der Verband zeichnet sich durch seine enge Zusammenarbeit mit einem ehrenamtlichen Vorstand und Beirat aus, deren Mitglieder seit Jahrzehnten in der Branche tätig sind und wertvolle Erfahrungen und Kenntnisse von Herstellern sowie Industriepartnern einbringen.
Diese Expertise bildet die Grundlage für die strategische Ausrichtung und die Umsetzung der Projekte des Verbandes. Regelmäßige Gremiensitzungen, wie die Zukunftswerkstatt für junge Unternehmer, bieten eine Plattform für den Austausch und die Besprechung der zukünftigen Richtung und laufender Projekte.